Der neue Doppelhaushalt 2026/2027 stellt uns alle vor große Herausforderungen. Wir müssen kürzen, streichen und sparen — und wie so oft trifft es die Kleinen härter als die Großen.
Für uns Stadträt*innen bedeutet das: Wir müssen sorgsam priorisieren. Die Erhöhungen von Förderungen sind in dieser Lage fast unmöglich. Unser Fokus liegt darauf, bestehende Projekte zu sichern und erfolgreiche Strukturen zu verstetigen. Planungssicherheit ist gerade in der Kulturszene existenziell – und wer die Freie Kulturszene Stuttgarts erhalten will, muss genau hier ansetzen. Wir engagieren uns dafür, dass etablierte Orte wie die Waggons, der Stadtacker, PRISMA, Contain’t und die Kulturinsel weiterhin unterstützt werden. Diese Orte sind in der Stadt zu Häfen der Gemeinschaft, Begegnung und Kreativität geworden. In Zeiten unserer brüchigen Demokratie sind sie wichtiger denn je.
Ebenso wichtig ist es, keine neuen Lücken entstehen zu lassen: Der Umbau der Rakete im Theater Rampe muss jetzt erfolgen, damit der Betrieb gesichert bleibt. Wir wollen verhindern, dass sich Fälle wie beim Kunstverein Wagenhalle wiederholen, dessen Atelierhäuser seit zwei Jahren leer stehen, weil die Mittel für die Ertüchtigung fehlen. Auch die Proberaumstrategie, deren Studie im November vorgestellt wird, erfordert konsequente Umsetzungen. Mit meinem Antrag „Stuttgarter Spielräume“, der im letzten Doppelhaushalt eine Mehrheit bekam, werden wir als Stadt den Weg gehen, selbst ein Angebot für dauerhafte Proberäumlichkeiten zu fairen Bedingungen aufzubauen.
Gute Projekte brauchen gute Leute
Doch gute Projekte brauchen auch gute Leute. Deshalb setzen wir uns dafür ein, befristete Stellen im Kulturbereich zu entfristen, damit Kompetenz, Kontinuität und Erfahrung nicht verlorengehen. Das betrifft unter anderem die Stelle „Kulturelle Stadtentwicklung“, das Transformationsmanagement Innenstadt sowie die Leitung des Fachbereichs Kunst im öffentlichen Raum.
Neben Kultur bleiben auch Integration und Demokratie zentrale Themen. Nur eine solidarische, vielfältige Stadt kann den Herausforderungen dieser Zeit standhalten. Daher braucht es weitere Stellen in der Integrationspolitik und der Fachstelle Migration — sowie die Unterstützung für wichtige Projekte wie die des Kubus e. V. zur Stärkung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs. Auch Demokratieprojekte, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, dürfen gerade in diesen Zeit nicht ins Wanken geraten. Denn klar: Davon bräuchte es gerade jetzt mehr, nicht weniger.
Verschiebbar dagegen ist für uns die Entscheidung über die Haushaltsmittel zur Opernsanierung. Solange die Kostenlage unklar ist und die Landesregierung nach der Wahl 2026 noch nicht entschieden hat, in welchem Umfang sie sich beteiligt, wäre eine Festlegung unsererseits nicht seriös. Die Entscheidung darüber muss im Doppelhaushalt 2028/2029 fallen. Erst dann wissen wir, auf welcher finanziellen Grundlage Stuttgart tatsächlich planen kann.
Alle Anträge und die weiteren Haushaltsschwerpunkte unserer PULS-Stadträt*innen findet ihr hier!

