0443/2025 AN | Kaufhofgebäude: Haus der vielfältigen Stadtgesellschaft

Wir beantragen:

Eine standortbezogene Machbarkeitsstudie für das ehemalige Kaufhofgebäude Eberhardstraße 28 mit folgenden Ankernutzungen und planerischen Prämissen sowie dem übergeordneten Ziel, Synergien im Raumprogramm zu heben:

1. Untergeschosse:
Planerisches Ziel für ein Raumprogramm ist eine multifunktional nutzbare Veranstaltungsfläche mit mindestens einem großen Saal für alle Ankernutzer*innen im obersten Untergeschoss sowie in den darunter liegenden Untergeschossen Proberäume für die Freie Tanz- und Theaterszene, öffentliche Proberäume gemäß dem Ratsbeschluss „Stuttgarter Spielräume” (Antrag 70/2023) als auch die Prüfung der Ermöglichung eines Clubbetriebs.

2. Kuratierte Erdgeschosse auf zwei Ebenen:
a) Ziel ist die Öffnung des Gebäudes zum öffentlichen Raum. Hierbei ist eine Konzeptvergabe i. S. d. Ratsbeschlusses zum kuratierten Erdgeschosszonenmanagement vorzusehen (vgl. Antrag 5050/2023), inkl. mindestens eines gemeinwohlorientierten Cafés, z.B. eines Inklusionsbetriebs. Bezüge zu den Ankernutzungen in den Obergeschossen sind bei der Konzeptvergabe besonders zu gewichten.
b) Begleitend zur Machbarkeitsstudie für das Gebäude werden Vorschläge zur Umgestaltung der umliegenden Verkehrsflächen erarbeitet, um den Gedanken der Öffnung in den Stadtraum realisieren zu können.

3. Obergeschosse
a) Das Haus der Kulturen
b) Fläche für das Projekt Regenbogenhaus Stuttgart
c) Ein Start-Up-Inkubator für die Kreislaufwirtschaft i. V. m. einem Haus der Baukultur. Der Kreislaufwirtschaftsgedanke soll zudem durch die Einrichtung einer Reparaturwerkstatt gefördert werden, in der z. B. elektronische Geräte instand gesetzt werden können.
d) Büroflächen im Sinne neuer Arbeitswelten für die Verwaltung der Landeshauptstadt, wie im Nachnutzungskonzept GRDrs 295/2024 vorgeschlagen.

4. Weitere planerische Prämissen
a) Alle baurechtlich notwendigen Kfz-Stellplätze werden gemäß der Satzung für Nicht-Wohnnutzungen im Gebäude aufgehoben.
b) Die Ziele zur Schaffung von Wohnraum sind auf der Fläche Steinstraße 4 abzubilden.
c) IBA-Qualität: Bei der Revitalisierung des Kaufhof-Gebäudes ist hohe funktionale Definitionsoffenheit in der Flächenbereitstellung zu wahren. Eingebrachte Baustoffe sollen dem Kreislaufgedanken nach in nachhaltige Stoffkreisläufe rückgeführt werden können und einen möglichst geringen ökologischen Rucksack aufweisen.

5. Es wird zusätzlich ermittelt, ob für das Gesamtvorhaben Fördermittel von Land, Bund oder EU in Betracht kommen, da das Projekt kulturelle Integration und Innenstadtentwicklung vereint.

Begründung:

Für die dauerhafte Bespielung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in der Eberhardstraße 28 müssen zeitnah finale Beschlüsse gefasst werden. Die Verwaltung braucht Klarheit, für welche zukünftigen Nutzungen sie das Gebäude baulich konzipiert.

Entsprechend hat der Gemeinderat bereits mit dem Antrag 10/2024 „Haus der Kulturen als Ankernutzung im Kaufhof und Zwischennutzung schnell angehen” vom 24.01.2024 eine Machbarkeitsstudie zur dauerhaften Nutzung von Räumlichkeiten als Haus der Kulturen beantragt. Mittlerweile hat die Verwaltung dem Gemeinderat im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik am 28.01.2025 dargestellt, dass das Gebäude nach einer entsprechenden Sanierung über Nutzungsflächen von sieben Geschossen verfügen kann.

Unter dieser Zielsetzung soll die beantragte Machbarkeitsstudie prüfen, wie Räumlichkeiten multifunktional nutzbar als Veranstaltungs- und Proberäume der Freien Tanz- und Theaterszene Platz finden, Räumlichkeiten für das Projekt Regenbogenhaus Stuttgart geschaffen werden können und ein Inkubator für die Hauskreislaufwirtschaft i. V. m. mit einem Haus der Baukultur ins Gebäude inkludiert wird.

Als offenes Haus für alle sollen konsumfreie Orte sowie höchstens niederschwellige kostengünstige Gastronomieangebote, die sich an den obigen Nutzungsformen orientieren, zum Entdecken des Gebäudes einladen. Im Angesicht des Mangels an Büroflächen für städtische Mitarbeitende bieten sich mit der Umnutzung des Kaufhofgebäudes zudem Möglichkeiten, diesem mit entsprechenden Arbeitsräumen in unmittelbarer Nähe des Rathauses zu begegnen.

Mit dem Fokus der IBA‘27 auf funktional gemischte Häuser und Quartiere, könnte sich eine funktionsdurchmischte Umnutzung des Kaufhofs als Blaupause für neue Nutzungskonzepte im Bestand erweisen. Hierbei darf die Chance nicht vertan werden, die Umnutzung als Vorzeigeprojekt im Rahmen von zirkulärem Bauen zu verstehen.

Die Planung des Gebäudes erfolgt in Zeiten des Klimawandels und einer angespannten finanziellen Lage unserer Stadt. Die Erfahrung der nahen Vergangenheit zeigt, dass diese Aspekte bei der Planung von Großinvestitionen zu oft hintenangestellt wurden. Folge hiervon ist ein Investitionsstau, der das Vertrauen der Stadtgesellschaft in Planungsentscheidungen der Verwaltung und des Gemeinderates auf die Probe stellt. Aus diesem Grunde muss es das priorisierte Ziel sein, eine ressourcenschonende und wirtschaftliche Planung aufzusetzen, die eine zeitnahe Nutzung des Gebäudes ermöglicht.

Stellungnahme