0790/2026 AN | Nachhaltige Bodensanierung durch Pflanzen in Modellprojekt erproben

Wir beantragen:

  1. Die Stadt identifiziert brachliegende Flächen, die im Rahmen geplanter Sanierungsvorhaben für die Durchführung eines Modellprojekts zur Phytosanierung geeignet wären.
  2. Die Verwaltung tritt mit der Uni Hohenheim und weiteren fachlich geeigneten Forschungseinrichtungen in einen fachlichen Austausch ein, um ein wissenschaftlich begleitetes Pilotvorhaben zu initiieren.

Begründung:

Schadstoffbelastete Brachflächen, etwa auf ehemaligen Industriestandorten, sind über das gesamte Stadtgebiet Stuttgart verteilt. Gleichzeitig muss sich die Stadt im Zuge des Klimawandels zur Schwammstadt entwickeln, um den zunehmenden Herausforderungen durch Starkregen, Überschwemmungen und Hitze wirksam zu begegnen. Die ökologische Sanierung dieser Flächen bietet die Chance, beide Herausforderungen gemeinsam anzugehen, indem bei den zahlreichen Sanierungsvorhaben der Stadt verstärkt umweltfreundliche Verfahren zur Reinigung kontaminierter Böden eingesetzt werden.

Eine vielversprechende Methode ist die Phytosanierung: Dabei werden gezielt ausgewählte Pflanzenarten sowie AM-Pilze eingesetzt, um Schadstoffe aus dem Boden aufzunehmen, zu binden oder abzubauen. Da es sich um einen natürlichen Prozess handelt, können chemische Eingriffe zur Bodensanierung dadurch reduziert und zusätzliche Umweltbelastungen vermieden werden. Im Vergleich zu konventionell chemischen oder technologischen Behandlungen ist eine Phytosanierung zudem kostengünstiger, da die Pflanzen direkt am Standort wachsen und Transport- und Entsorgungskosten somit verringert werden.

Pflanzenarten wie Raps, Senf, Sonnenblumen, Gerste, Hanf und verschiedene Gräser speichern Schadstoffe wie Schwermetalle, Halbmetalle (z.B. Arsen), Pestizide, Salze oder Mineralölrückstande in ihren Wurzeln, Stängeln oder Blättern bzw. wandeln diese in weniger schädliche Verbindungen um. Durch die anschließende Ernte wird ein Teil der in den Pflanzen angereicherten Schadstoffe aus dem Boden entfernt. Die meisten zur Phytosanierung geeigneten Pflanzen sind robust, anspruchslos und an unterschiedliche Standortbedingungen anpassungsfähig, was ihren praktischen Einsatz erleichtert.

Der gezielte Einsatz solcher Pflanzen kann die Revitalisierung von Brachflächen auf umweltschone Weise unterstützen. Während des Sanierungsprozesses entstehen begrünte Flächen, die das Stadtklima verbessern und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Damit leistet die Phytosanierung zugleich einen Beitrag zur Biodiversität und zur klimaresilienten Stadtentwicklung. 

Vor diesem Hintergrund kommen als potenzielle Standorte für ein Modellprojekt zur ökologischen Bodensanierung bspw. ehemalige Industrie- und Brachflächen auf städtischen Flächen oder möglichen städtischen Entwicklungsarealen in Betracht, wie etwa das Gleisvorfeld oder Flächen auf dem Heizkraftwerksgelände in Gaisburg (ehem. Kohlelager der EnBW), sofern die Eigentumsverhältnisse und fachlichen Voraussetzungen dies zulassen. Ein solches Pilotvorhaben könnte die wissenschaftliche Expertise der Forschung mit den Sanierungsbedarfen der Stadt verknüpfen und wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Anwendung nachhaltiger Bodensanierungsverfahren in Stuttgart liefern.

Gezeichnet:

Christoph Ozasek, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE

Thorsten Puttenat, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE

Gabriele Munk, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Björn Peterhoff, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dennis Landgraf, Die Linke SÖS Plus

Hannes Rockenbauch, Die Linke SÖS Plus

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