1047/2026 AN | Ganzheitliches Konzept für vitale Stadtbäume

Wir beantragen:

Die Stadtverwaltung informiert den Gemeinderat im 4. Quartal 2026 im Ausschuss für Klima und Umwelt in einer Schwerpunktsitzung zum Thema Stadtbäume:

1. Pflanzsubstrat Stadtbäume

a) Welche Vergabekriterien sind für die Stadtverwaltung bei der Beschaffung von Baumpflanzsubstraten aktuell maßgebend?

b) Welche Kriterien gibt die Stadtverwaltung vor, um den klimatischen Anforderungen gerecht zu werden?

c) Ist eine möglichst hohe Wasserspeicherfähigkeit des Baumpflanzsubstrats ein entscheidender Faktor?

d) Wird ein hoher, anhaltender Pflanzennährstoffgehalt im Substrat berücksichtigt?

2. Vitalität der Stadtbäume

a) Beabsichtigt die Stadtverwaltung ein eigenes standortdifferenziertes Stuttgarter Baumentwicklungskonzept zu entwerfen oder orientiert sich die Stadtverwaltung ausschließlich an standardisierten Konzepten?

b) Richtet sich die Stadtverwaltung bei Planung, Herstellung und Pflege von Baumstandorten nach den FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen? Gibt es darüber hinaus eigene Stuttgarter Standards?

c) Welche Standards hat die Stadtverwaltung mit den externen Firmen, die aktuell die Pflege von Jungbäumen in der Anwuchsphase übernehmen, vereinbart?

d) Welche Standards wendet die Stadtverwaltung bei Baumgrubengrößen an?

e) An welchen Standorten im Stadtgebiet ist geplant nach dem Stockholmer Modell Bäume zu pflanzen? Wenn ja, warum?

3. Bewässerung von Bäumen

a) Welcher Aufwand fällt jährlich für das Bewässern von Stadtbäumen an (Personalkosten, Wasserkosten, Transportkosten, Materialkosten)?

b) Wie viele Stellen bzw. Arbeitszeitanteile stehen derzeit für die Bewässerung von Stadtbäumen zur Verfügung?

c) Wie häufig mussten junge Stadtbäume im laufenden Jahr 2026 durchschnittlich bewässert werden und welche Wassermengen wurden dabei eingesetzt? Konnten die erforderlichen Bewässerungsgänge mit den vorhandenen personellen Kapazitäten vollständig und rechtzeitig durchgeführt werden?

4. Evaluation

a) Nach welchen Kriterien werden Anwuchserfolg, Vitalität und Standortentwicklung von neu gepflanzten Stadtbäumen bisher bewertet und dokumentiert?

b) Wie beurteilt die Stadtverwaltung die Leistungserbringung von externen Firmen bei der Baumpflege?

c) Wie viele neu gepflanzte Stadtbäume sind innerhalb der letzten 5 Jahre während der Anwuchs- und Entwicklungspflege abgestorben oder mussten ersetzt werden? Welche wesentlichen Ursachen wurden hierzu festgestellt?

d) Werden aktuell Pilotprojekte mit verschiedenen Pflanzsubstraten durchgeführt, um für den Stadtraum Stuttgart bestgeeignete Pflanzsubstrate zu evaluieren?

Begründung:

Stadtbäume sind eine der wichtigsten langfristigen Investitionen in Klimaresilienz, Gesundheit und Lebensqualität unserer Stadt. Sie spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung, speichern Wasser und verbessern das Stadtklima. Damit sie diese Funktionen über Jahrzehnte erfüllen können, ist eine qualitative Baumentwicklung notwendig. Entscheidend sind qualitative Baumstandorte, ein ausreichend durchwurzelbarer Raum, geeignete Pflanzsubstrate, eine verlässliche Wasserversorgung sowie fachgerechte Pflege und Erfolgskontrolle.

Gerade junge Bäume sind in ihren ersten Entwicklungsjahren besonders anfällig für Hitze- und Trockenstress. Mit zunehmenden Hitzeperioden gewinnen deshalb die Wasserspeicherfähigkeit und die pflanzenverfügbare Wassermenge der Substrate an Bedeutung. Gleichzeitig muss geprüft werden, welche Baumgrubenbauweise unter den jeweiligen örtlichen Bedingungen geeignet ist.

Stuttgart verfolgt mit der Straßenbaumkonzeption, der Klimaanpassungsstrategie, einzelnen Baumrigolen und der Sanierung mangelhafter Baumstandorte bereits richtige Ansätze. Es ist jedoch bisher nicht ausreichend erkennbar, ob diese Einzelmaßnahmen in ein verbindliches, standortdifferenziertes Gesamtkonzept eingebunden sind und nach welchen einheitlichen Qualitätskriterien Substrate und Baumgrubenbauweisen ausgewählt werden. Ebenso fehlen öffentlich nachvollziehbare Angaben über Ausfallquoten, Schadensursachen und systematische Vergleiche unterschiedlicher Pflanzverfahren.

Die Stadt München hat bereits die Erfassung und Analyse seines öffentlichen Baumbestands als Grundlage eines Baumentwicklungskonzepts beschlossen. Daraus sollen strategische Handlungsempfehlungen zur langfristigen Sicherung und nachhaltigen Entwicklung des Baumbestands entstehen. Darüber hinaus arbeitet München mit eigenen Standortstandards, regelmäßigen Baumbilanzen und wissenschaftlichen Untersuchungen zur Entwicklung von Stadtbäumen. Wir wollen deshalb für Stuttgart klären, ob die bisher vorhandenen Stuttgarter Einzelmaßnahmen zu einem eigenen kommunalspezifischen Baumentwicklungskonzept zusammengeführt und weiterentwickelt werden können.

Ein ganzheitliches Baumentwicklungskonzept zielt auch auf Wirtschaftlichkeit ab. Nicht nur Anschaffungs- und Herstellungskosten sondern insbesondere Lebenszykluskosten müssen betrachtet werden. Qualitativ hochwertige Pflanzsubstrate können z. B. Ausfälle, Ersatzpflanzungen und einen dauerhaft hohen Bewässerungsaufwand deutlich verringern und zahlen sich entsprechend wirtschaftlich aus.

Letztendlich ist aus unserer Sicht eine systematische Evaluation unerlässlich. Nur wenn bekannt ist, welche Baumarten, Substrate und Bauweisen sich unter den unterschiedlichen Stuttgarter Standortbedingungen als geeignet erweisen, können Planung, Ausschreibung, Personaleinsatz und Pflege zielgerichtet weiterentwickelt werden.


Gezeichnet:
Christoph Ozasek, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE
Ina Schumann, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE
Celine Hirschka, SPD und Volt
Lucia Schanbacher, SPD und Volt
Hannes Rockenbauch, Linke SÖS Tierschutz
Dennis Landgraf, Linke SÖS Tierschutz