Wir beantragen:
1. Zum Start der Aktion „Abpflastern“ benennt die Landeshauptstadt exemplarisch städtische Flächen, die sie zur Entsiegelung im Wege bürgerschaftlicher Initiative bereitstellt. Hierzu sind vorzugsweise stark versiegelte Flächen mit überwiegender Aufenthaltsfunktion auf Basis der Umweltgerechtigkeitskartierung auszuweisen (z. B. Schulhöfe).
2. Das zuständige Referat stellt im Ausschuss vor, wie insbesondere genehmigungsrechtliche Aspekte gelöst werden und eine einfache Zusammenarbeit zwischen Planungs-, Tiefbau- und Garten-, Friedhofs- und Forstamt sowie Bürger*innen aussehen können.
3. Das zuständige Referat wird beauftragt, dem Gemeinderat einen Vorschlag zu unterbreiten, wie ein Belohnungs- oder Auszeichnungssystem (z. B. Setzlinge oder Wildblumensamenmischungen) geschaffen werden und ein bürgerschaftlich getragenes Patenschaftsmodell entstehen kann.
4. Die Stadtverwaltung bewirbt die Aktion „Abpflastern“ über ihre eigenen Kommunikationskanäle.
5. Die Verwaltung prüft, ob sie sich mit einer umfangreichen Umsetzung der Entsiegelungsaktion „Abpflastern“ für Förderprogramme qualifiziert, und bemüht sich um entsprechende Fördermittel. Zudem soll aktiv um Spenden geworben werden, um eine möglichst haushaltsneutrale Lösung zu entwerfen.
Begründung:
Wie sehr asphaltierte und anderweitig versiegelte Flächen das Stadtklima belasten und damit die Gesundheit der Bürger*innen beeinträchtigen können, wurde nicht zuletzt in diesem Rekordsommer deutlich. Zentrale Flächen im Europaviertel, um das Rathaus und im Heusteigviertel erreichen einen Versiegelungsgrad von 92 Prozent.1
Dass die Landeshauptstadt mit der Bewerbung der Aktion „Abpflastern“ auf der städtischen Webseite jetztklimachen.stuttgart.de auf diesen wichtigen und zugleich niederschwelligen Hebel im naturbasierten Klimaschutz wie auch zur Risikoprävention (u.a. gegen urbanen Starkregen) aufmerksam macht, ist daher ein erster richtiger Schritt. Dabei werden Bürger*innen auf spielerische Weise angeleitet, sich selbstaktiv an der Entsiegelung ihrer Stadt zu beteiligen, und zugleich im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung sensibilisiert.
Die Aktion, die ihren Ursprung im Jahr 2020 in den Niederlanden hat, ist als städteübergreifender Wettbewerb ausgestaltet, an dem mittlerweile bundesweit zahlreiche Kommunen unterschiedlicher Größe teilnehmen. Städte und Gemeinden, die von März bis Oktober die meisten gepflasterten Flächen in Grünflächen umwandeln, gehen im freundschaftlichen Wettbewerb als Siegerinnen hervor. Zum Mitmachen sind alle eingeladen: von einzelnen Bürger*innen, die ihren Vorgarten entpflastern, über Schulen, Vereine und Unternehmen, bis hin zu städtischen Einrichtungen. Im Großstadt-Ranking 2025 belegten Frankfurt, Darmstadt und Hamburg die ersten Plätze gemessen an der Anzahl der abgepflasterten Steine pro tausend Einwohner*innen.
Die Stadt Stuttgart nimmt in diesem Jahr erstmals am Wettbewerb teil, taucht in der Übersicht des aktuellen Spielstands (Stand September 2026) jedoch nicht auf. Eine reine Bewerbung auf der städtischen Webseite scheint nicht zielführend, um die Aktion wirksam umzusetzen und eine breite Beteiligung zu erreichen.
Ein Blick auf das Vorgehen anderer teilnehmender Städte kann hierfür Impulse liefern: Hamburg und Den Haag haben beispielsweise symbolische Belohnungssysteme eingeführt und zeichnen besonders erfolgreiche Bezirk, Unternehmen oder Privatperson aus.
Andere Städte belohnen die engagiertesten Teilnehmenden (unter anderem in Kooperation mit Sponsor*innen) mit Sträuchern, Regentonnen, Gießkannen oder Pflanzgutscheinen. Darmstadt ruft einen Aktionstag zum Thema Entsieglung aus und stellt eine Kontaktperson zur Unterstützung der Aktion bereit. In Hamburg ist zudem ein Wettbewerb zwischen den Quartieren entstanden.
Nicht zuletzt, um selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, beteiligen sich die Verwaltungen in Mainz und Darmstadt und entsiegeln öffentliche Flächen. In den Niederlanden stehen Expert*innen den Teilnehmenden beratend zur Seite; spezielle „Taxis“ holen dort zudem den angefallenen Bauschutt ab. Darüber hinaus können Teilnehmende eine finanzielle Förderung beantragen. In Stuttgart wäre eine Verbindung zum Förderprogramm „Urbanes Grün“ denkbar.
Auch eine Integration von im Klima-Innovationsfonds geförderten Projekten wie den Begrünungssteinen von „Endless Garden“ könnte im Rahmen der Aktion in Stuttgart erfolgen. Diese könnten beispielsweise als nachhaltige Alternative präsentiert oder unter den Teilnehmenden verlost werden.
Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH bewertet in seinem Report „Gute Beispiele für eine gelingende Transformation“ vom Februar 20252 den Wettbewerb „Tegelwippen“ bzw. „Abpflastern“ als erfolgreiche Maßnahme, um transformative Denkanstöße zu geben. Zudem führe das Wettbewerbselement zu einer „großen Beteiligung und Akzeptanz“ und stärke das Gemeinschaftsgefühl.
Die erfolgreichen Beispiele aus den anderen Städten zeigen, dass die Aktion mit wenigen Mitteln viel Potenzial zur Stadtbegrünung bietet. Daher beantragen wir, dass sich die Stadt aktiv mit eigenen Flächen an der Aktion beteiligt und kostengünstige Anreize schafft, um möglichst viele Stuttgarter*innen für „Abpflastern“ zu begeistern.
Passend dazu unterstützen bereits jetzt die GreenScouts private Initiativen, die Flächenentsiegelung zum Ziel haben. Die Stadt soll die GreenScouts beim Wettbewerb Abpflastern mitdenken.
1 https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/stuttgart/versiegelung-in-stuttgart-zu-92-prozent-zubetoniert-das-sind-stuttgarts-viertel-mit-besonders-wenig-gruen-78857053.html
2 Bahn-Walkowiak, B., Wagner, O., Schnurr, B., & Hennes, L. (2025): Gute Beispiele für eine gelingende Transformation – Impulse für nachhaltige Lebenswelten. Kurzstudie im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung. (Wuppertal Report Nr. 28). Wuppertal Institut.
Gezeichnet:
Christoph Ozasek, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE
Ina Schumann, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE
Thorsten Puttenat, PULS – Die Stadtisten – Die PARTEI – KLIMALISTE
Marcel Roth, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Gabriele Munk, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Björn Peterhoff, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Celine Hirschka, SPD und Volt
Lucia Schanbacher, SPD und Volt
Stefan Conzelmann, SPD und Volt
Hannes Rockenbauch, Linke SÖS Tierschutz
Dennis Landgraf, Linke SÖS Tierschutz
Manja Reinholdt, Linke SÖS Tierschutz
