Wir beantragen:
1. Die Stadtverwaltung Stuttgart entwickelt einen Programmbaustein „Glück“ als jahrgangsübergreifendes ergänzendes Angebot im Wahlpflichtbereich der Ganztagsbetreuung und erprobt dieses an ausgewählten Pilot-Schulen. Der Programmbaustein wird in enger Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften, aus der Psychologie sowie der Bildungsforschung entwickelt und gemeinsam mit den Trägern der Jugendhilfe im Ganztag verankert. Das ergänzende Angebot soll als Qualitätskriterium profilbildend gewürdigt werden.
2. Nach einer zweijährigen Pilotphase erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation, um über eine dauerhafte Einführung zu entscheiden.
3. Für das Projekt werden in der zweijährigen Pilotphase Sachmittel in Höhe von 10 Teuro im Doppelhaushalt 2026/2027 bereitgestellt.
4. Das Schulverwaltungsamt berichtet in der 1. Lesung, wie das Projekt mit den vorhandenen Budgets der Ganztagsbetreuung umgesetzt werden kann.
Begründung:
Mentale Gesundheit, Lebenszufriedenheit und soziale Kompetenz sind entscheidende Faktoren für den Bildungserfolg und die gesellschaftliche Integration junger Menschen in unserer postmigrantischen Stadtgesellschaft. Doch Studien zeigen alarmierende Trends: Laut der DAK-Studie 2023 zu Kinder- und Jugendgesundheit leiden 24 % der Schüler unter stressbedingten Beschwerden und die Zahl psychischer Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 40 % gestiegen. Auch PISA-Studien ergaben, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich eine unterdurchschnittliche Lebenszufriedenheit aufweisen.
Die COVID-19-Pandemie hat die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen weiter verschärft und wirkt bis heute nach. Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf ergab, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auch Jahre nach der Pandemie noch deutlich schlechter war als davor: Im dritten Jahr nach Ausbruch der Pandemie waren laut der Studie 70 % der Kinder und Jugendlichen noch immer psychisch gestresst und litten vermehrt unter Depressionen, Angst- und Essstörungen.
Forschungen zur Positiven Psychologie (Seligman, 2002) wiederum zeigen, dass gezieltes Training in Optimismus und Resilienz langfristig zu höherem Wohlbefinden und besseren schulischen Leistungen führt. Das Modellschulfach „Glück“ bietet eine wissenschaftlich fundierte Möglichkeit, darauf hinzuwirken. Erste erfolgreiche Umsetzungen in Heidelberg und Hamburg zeigen, dass Schüler durch das Fach weniger Stress, höhere Motivation und bessere soziale Kompetenzen entwickeln. Hierzu gehören Lehrinhalte wie Achtsamkeit und Meditation, Selbstreflexion und Körperbewusstsein, Empathie und Kommunikation.
Neben der Förderung individueller Potenziale stärkt das Fach den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Weltwissen, also die Fähigkeit, globale Zusammenhänge zu verstehen und persönliche Erfahrungen in einen größeren Kontext zu setzen, ist heute eine Schlüsselkompetenz. Das Schulfach „Glück“ vermittelt nicht nur persönliche Resilienz, sondern auch ein Bewusstsein für gesellschaftliche und ökologische Verantwortung.
Stuttgart kann mit dem vorgeschlagenen Programmbaustein „Glück“ Erkenntnisse aus der Praxis einbetten, insbesondere mit Blick auf die Lernwerkstatt Weilimdorf, wo neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen mit besonderem Schutzbedürfnis eine spezifische Beschulung mit dem Ziel der sozial-emotionalen Stabilisierung ermöglicht wird.
