Wir beantragen:
Die Verwaltung stellt 100.000 Euro im Haushaltsjahr 2026 für eine Machbarkeitsstudie zur Realisierung eines Pyrolyse-Reaktors zur Erzeugung von Pflanzenkohle aus biogenen Reststoffen beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt bzw. der Abfallwirtschaft Stuttgart i.V.m. mit einer energetischen Abwärmenutzungskonzeption zur Verfügung. Hierbei ist insbesondere der Standort Logauweg in den Fokus zu nehmen. Bei der Dimensionierung des Reaktors ist auch eine interkommunale Kooperation zu prüfen
Begründung:
Pflanzenkohle ist ein wesentlicher Baustein der Bioökonomiestrategie der Landeshauptstadt Stuttgart und kann in vielfältiger Weise zum Einsatz kommen. Insbesondere als Substrat für Baumbeete und Rigolen-Systeme eignet sie sich für eine gesunde Entwicklung von unter Klimastress stehender Stadtbäume. Sie verbessert die Wasserhaltekapazität und die Bodengüte, schafft Lebensraum für Mikroorganismen und eignet sich u.a. zur Hygienisierung in der landwirtschaftlichen Produktion. Auch in der Trink- und Abwasserbehandlung kann Pflanzenkohle zum Einsatz kommen, genauso wie in Baustoffen wie Beton und Asphalt oder als Dämmstoff.
Gewonnen aus biogenen Reststoffen, bindet Pflanzenkohle Kohlenstoff aus der Atmosphäre und wirkt damit als CO2-Senke im Sinne unserer Klimastrategie. Möglich ist das, indem die Biomasse pyrolysiert, das heißt unter Luftabschluss bzw. ohne Sauerstoffzufuhr bei mindestens 400 °C thermisch behandelt wird. Ein großer Teil des Kohlenstoffs der Pflanze wird durch diese Verkohlung in molekulare Strukturen gebunden, die über viele Jahrhunderte stabil in Böden verbleiben können und nur sehr langsam wieder freigesetzt werden. Expert*innen zufolge können auf diese Weise rund 30 bis 50 Prozent des in den Pflanzen enthaltenen Kohlenstoffs auf lange Zeit der Atmosphäre entzogen werden. Die Fachwelt spricht in diesem Zusammenhang auch von „negativen Emissionen“.
Pflanzenkohle hat auch einen ökonomischen Wert, und wird je nach Qualität zwischen 400 und 500 Euro pro Tonne gehandelt. Sie müsste bei einer eigenen lokalen Produktion künftig nicht länger von externen Anbietern zugekauft werden.
Nachdem über den Klimainnovationsfonds erste Erfahrungen gewonnen werden konnten, wollen wir dieses innovative biotechnologische Verfahren im kommunalen Wirkungshorizont zum Einsatz bringen. Ein Pyrolyse-Reaktor könnte gleichzeitig durch Nutzung der Abwärme Ausgangspunkt eines energetischen Quartierskonzepts sein oder zumindest eine kommunale Liegenschaft mit regenerativer Wärme versorgen. Aus Sicht der Antragsteller wäre insbesondere der Standort Logauweg konkret in den Fokus zu rücken.
Gezeichnet:
Christoph Ozasek, Thorsten Puttenat, Ina Schumann
